KIOSK

Die Geschichte von KISOKEN (osmanisch Köšk „Gartenpavillon“, persisch Košk später franz. kiosque ) in Ihre ursprünglichen Funktion für die Trinkwasserversorgung geht bis in das 10. Jahrhundert zurück. Die Litfaßsäule hingegen wurde erstmal 1854 als Anschlagssäule installiert und genutzt. Da sich an beiden Orten jeher heterogene Nutzer_innengruppen sammelnden und austauschen konnten verbindet beide Typologien neben der offensichtlich eher inkongruenten Nutzung eine, möglicherweise bei der Planung nicht kalkulierte Eigenschaft: Sie stellen wichtige soziale Treffpunkte für das Dorf, das Quartier oder die Stadt dar! Die Kombination der Litfaßsäule in Ihrer Aufgabe als Attraktor mit der Funktion des KISOK´s zur Befriedigung materieller Bedürfnisse im gemeinsamen Kontext des sozialen Austauschs bietet damit eine ideale Grundlage für den Entwurf des angestrebten partizipativen Treffpunkt dieses Entwurfs.

Während der Industrialisierung sicherten KISOKE als Trinkhallen einen Teil der Trinkwasserversorgung der Arbeiter_innen und entwickelten sich durch den alltäglichen Gebrauch und das Zusammenkommen von unterschiedlichen Interessengemeinschaften schnell zu Orten des sozialen Lebens. Es entwickelte sich um die Trinkhallen eine Kultur des gesellschaftlichen Zusammenkommens. Der Gang zum KIOSK diente nicht mehr nur der direkten Befriedung von Bedürfnissen, im Sinne, dass Milch, Bier oder Eis gekauft wird, sondern dass sozialer Kontakt entsteht. Am Nachbarschaftskiosk wurde sich ausgetauscht über Neuigkeiten, oder konkrete Entwicklungen im Viertel. So können ein Kiosk, sein Publikum und seine Betreiber_in als Spiegel oder Mikrokosmos des Quartiers gelten, Heute findet sich diese Nutzung auch in den vielerorts bekannten „Spätis“ wieder. Im Entwurf wurden Elemente die diese Nutzung ermöglichen und fördern, konstruktiv, als auch funktional untersucht. Über diese wird beispielsweise die Verweildauer erhöht, die Kommunikation gefördert, oder das Objekt in der öffentlichen Wahrnehmung gestärkt.

Schon in der Zeit ihrer Entstehung erfüllten Litfaßsäulen nicht nur als Reklame der Privatwirtschaft, sondern wurden auch von öffentlichen Stellen genutzt um beispielsweise über amtliche Bekanntmachungen zu informieren. Dies führte schnell dazu, dass Menschen im Alltag regelmäßig an diesen vorzufinden waren und sich so auch untereinander trafen. Der Entwurf greift dieses Thema auf, nicht nur wirkt er formal als Attraktor, sondern auch thematisch, indem er zwei wesentliche Eigenschaften der Typologie aufgreift. So bildet der Entwurf die Schichtung der unterschiedlich übereinander geklebten Plakate ab. Im Kern des Entwurfs steht das ParticipationTool welches über eine Laserprojektion die Entwürfe an die Hauswand der Staatsoperette projiziert. Gleichzeitig wird über das Schichtensystem das Tragwerk realisiert. Andererseits wurde das geklebte Plakat als Format über analoge Fassadenöffnungen neu interpretiert. In Kombination mit der Schitung entsteht ein differenzierter Raumeindruck. Die Besucher_innen mit Ihren Bedürfnissen der partizipativen Stadtplanung, welche durch diese Öffnungen teilweise im Außenraum zu sehen sind, wirken so analog als „Plakat“. Ihre Bedürfnisse werden öffentlich sichtbar gemacht.

Analog zu den beschrieben Schichtenaufbau ist auch das Tragsystem des Entwurfes umgesetzt. Über zwei Tragschichten aus werkseitig gebogenen, ineinander verschränkten Multiplexplatten werden die anfallenden Lasten über das Fundament in das Erdreich geleitet. Dadurch wirken die „Wände“ direkt als Scheiben und es kann fast gänzlich auf eine lineare Tragstruktur aus bsp. KVH verzichtet werden. Gleichzeitig ermöglicht dieses Konstruktionsprinzip die Anordnung der großformatigen, versetzt angeordneten „Fassadenöffnungen“. Die Deckenscheiben werden über Ingenieursverbindungen an die Tragschichten angeschlossen. Um den auftretenden Windkräften gerecht zu werden, muss das Fundament aus KVH und Verbundholzplatten über Erdanker im Erdreich verankert werden. Die äußerste Schicht stellt die Fassadenschicht dar, und besteht aus recyceltem, geflämmt bzw. verkohltem Nadelholz. Um einen Abrieb zu verhindern ist auch diese Schicht mit Hartwachsöl behandelt.