NEOBIOTA

Neobiota (Altgriechisch νέος néos „neu“ und βίος bíos / βίοτος bíotos „Leben“) bezeichnet die Ansiedlung von Lebensformen in einem Gebiet, in dem diese vorher nicht heimisch waren. Koexistenz beschreibt das Zusammenleben von mindestens zwei Arten parallel zueinander, weniger jedoch die Chancen und das Potenzial durch gegenseitige Wechselwirkungen der Lebensformen im Prinzip der Symbiose. Die modellhafte Siedlung NEOBIOTA für 1000 Bewohner_innen auf dem Erbenhang oberhalb der Kernstadt Glashütte bietet eine Antwort auf dieses nachhaltige, symbiotisch koexistente Zusammenleben von Tier, Pflanze und Mensch sowie der Bewohner_innen untereinander.

Für das städtebauliche Konzept reagiert der Entwurf mit einer zusammenhängenden sich über den Erbenhang streckenden Struktur. Die Haupterschließung erfolgt dabei über öffentliche und halböffentliche Laubengangstrukturen, welche die Typologie des Gehsteigs neu interpretiert. Die sich dadurch aufspannenden Freibereiche bleiben unversiegelt und werden als nur leicht fußläufig erschließbare Grünräume (u.a. Streuobstwiese, Heckengarten, Staudenwiese, Retentionswiese mit Retensionsbecken) und Permakultur ausgestaltet. Die durch die topografische Lage am Hang und die Ebenen übergreifende Erschließungsstruktur zugänglichen Dachflächen interpretieren das Verhältnis von Erdgeschoss zu Dachgeschoss neu und werden als Gemeinschaftsflächen sowie öffentliche Plätze der Bewohner_innen ausgebildet.

Die Vertikalerschließung zwischen den Ebenen wird über eine Doppelnutzung der notwendigen Aufzüge und öffentlichen Treppenräume realisiert. Die Struktur vermittelt dabei zwischen einer urbanen Dichte und dem ruralen landschaftlichen Ausdruck. Das Gebiet verfügt über differenzierte externe Erschließungen (mobil-barrierefreie Erschließung im Norden, fußläufige Erschließung im Osten/Süden sowie landwirtschaftlich, infrastrukturelle Erschließung im Westen), welche in einen Quartiersplatz, Marktplatz und Panoramaplatz münden und die Verteilung bzw. den Auftakt in die Struktur bieten.

Eine differenzierte Nutzungsmischung zwischen Wohnen, Arbeiten und öffentlichen Bereichen, nach Ebenen, Topografie sowie Umgebenden Grünbereichen vermittelt Urbanität, fördert die Begegnung und ermöglicht ein breites Wohnraumangebot. Während im Zentrum vorwiegend größere, gemeinschaftliche Wohnstrukturen vorherrschen (Mega-WG, Cooperative Housing, Atelierwohnen), sind am Rand privatere Typologien vorgesehen. Die Reduzierung des Individualraums zugunsten größerer gemeinschaftlich genutzter Flächen innerhalb einer Typologie spiegelt dabei das Prinzip der Symbiose und Solidarität wider. Gleiches gilt für gemeinschaftliche Waschräume, Bibliotheken, Küchen und Werkstätten bzw. Co-Working-Bereichen.

Auch die technische Umsetzung steht im Sinne der symbiotischen Koexistenz. So ermöglicht eine Grauwasseraufbereitung in der Fassadenebene zusätzlichen Lebensraum für Pflanzenarten und Insekten, die Einsparung von bis zu 40% Trinkwasser, die Entlastung der Kanalisation und kühlt gleichzeitig die Wohnungen in Hitzeperioden. Hierbei wird das anfallende Grauwasser (vorwiegend Abwasser vom Duschen, Waschmaschine, Handwaschbecken) gereinigt und kann so für die WC-Anlagen als auch für die Gartenbewässerung genutzt werden.
Ein diversifiziertes Energiekonzept aus der Kombination Photovoltaik, Solarthermie, Geothermie in Kombination mit Wärmepumpen gewährleisten eine größtenteils autarke Energieversorgung. Die dezentrale Anordnung von Kleinkompostkraftwerken ermöglicht die Gasversorgung welche zum Kochen benötigt wird. Hierbei anfallende Rückstände können als Humus/Nährstoffversorgung für die Pixelfarminganlage genutzt werden.